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Mit mütterlichen Waffen gegen Säuglingsekzem

Königstein (hhf) – Schon mit einem Mückenstich fängt es an: Selbstbeherrschung ist angesagt, bloß nicht dran reiben, sonst wird es nur schlimmer. Lässt man die Finger weg, so ist das Malheur schnell überstanden, aber es gibt leider auch noch eine Palette weiterer Hautkrankheiten, die sich weitaus länger halten. Wenn es schon bei Kindern und Säuglingen juckt und sie sich gerne kratzen wollen, ist guter Rat besonders selten, und so führt die Suche nach Linderung oft zum Kinderarzt. Diesen Beruf übt Dr. Michael Rochel seit 1984 in Königstein aus, und im Lauf der Zeit wuchs sein Mitleid mit den kleinen Patienten, die mit allen Tricks davon abgehalten werden müssen, Hand an ihre Hautekzeme anzulegen.


„Auf Fortbildungsveranstaltungen mit Eltern habe ich immer wieder die gleichen Wünsche gehört“, berichtet der Nachwuchsexperte: „Eine passende Medizin soll gleichzeitig den Juckreiz nehmen und kühlen, gut verstreichbar sein und doch keine Fette enthalten, weder stinken, noch zu sehr parfümiert sein, weil das Allergien auslösen kann, und aus diesem Grund möglichst auch keine Konservierungsstoffe enthalten.“ Seit Herbst dieses Jahres nimmt Rochel die Wünsche nicht nur zur Kenntnis, sondern hat auch eine Antwort, die das Ergebnis seiner gut vierjährigen Forschungsarbeit ist.


Das neue „amniosan Gel“ ist ein Pflegeprodukt, kein Medikament, so weit die bürokratische Einordnung, aber unter diesem Status offiziell abgesegnet mit Erprobungsreihen, wissenschaftlicher Publikation in Fachzeitschriften und Pharma-Zentralnummer, was auch bedeutet, dass der Bezug über jede Apotheke möglich ist. „Hautpflege nach natürlichem Vorbild“ verspricht das Produkt, und eine in Praxistests belegte Verbesserung des Hautzustandes von über 50 Prozent nach etwa 10 Tagen Anwendungsdauer. „Besondere Hautverträglichkeit durch Konzentration auf das Wesentliche“.


„Neugeborene haben eine gesunde Haut, erst nach ein paar Monaten wird bei einigen die Haut rissig und beginnt zu jucken“ konstatierte Dr. Rochel die Entstehung von Neurodermitis, in seiner Branche auch als „Säuglingsekzem“ bekannt. Diese Entwicklung, so fiel ihm auf, traf aber fast nie Kinder, die sich in die heute weit verbreiteten „Folienwindeln“ oder „Windelhosen“ erleichtern, zumindest nicht in der Po-Region, die sich durchgehend in feuchtem Millieu befindet. „Wie ein Kind im Mutterleib“, so die ‚Erleuchtung‘, woraus die Idee erwuchs, sich die Inhaltsstoffe des Fruchtwassers einmal näher anzusehen, das ja offensichtlich beste Hautpflegefunktionen besitzt.


„Als wichtigsten Bestandteil haben wir die Hyaluronsäure ausgemacht, sie ist schon gut aus dem Bereich Anti-Aging bekannt“, erzählt der Kinderarzt. Ähnlich wie Cortison fördert Hyaluronsäure die Wundheilung, allerdings ohne die hinlänglich bekannten Nebenwirkungen des Cortisons. „Wir“, das sind im Wesentlichen sein Sohn Roman, der während seines Auslandsstudiums Zugang zu internationalen Forschungsbibliotheken besonders im angloamerikanischen Sprachraum hatte, und Burg-Apotheker Bernd-Uwe Rose, der auf kurzem Dienstweg „die Pröbchen angerührt hat“, denn dafür braucht es einen ausgebildeten Pharmakologen.


Mit Fruchtwassergel gegen Neurodermitis, so ließe sich die bald eingeschlagene Marschrichtung wohl am besten beschreiben, denn mit Hyaluronsäure, anorganischen Meersalzen und Wasser als Lösungsmittel ist „amniosan“ eigentlich ein Imitat der mütterlichen Körperflüssigkeit. Um den Verlust der Fruchtblase als Flüssigkeitsbehältnis zu kompensieren, hält sich das Pflegemittel in eingedickter Form als Gel besser auf der Körperoberfläche. „Bei vielen Kindern ist eine deutliche Besserung innerhalb weniger Tage eingetreten“, beschreibt Michael Rochel die Ergebnisse seiner Testreihen und denkt auch schon weiter: „Zur Pflege der Haut nach kleinen Verbrennungen taugt das Mittel wahrscheinlich auch und Erwachsene mit Neurodermitis können es ebenfalls ausprobieren – die müssen allerdings mehr nehmen, denn sie haben eine dickere Haut als Kleinkinder.“


Überzeugt von der eigenen Arbeit, hat Dr. Rochel gemeinsam mit seinem Sohn nun auch eine Firma gegründet, die sich um Herstellung und Vertrieb des Hautpflegegels kümmert. Über den Standort gab es keine langen Diskussionen: „Das passt doch hervorragend in die Kurstadt Königstein, wo sich schon viele Menschen um die Gesundheit verdient gemacht haben.“ Der Stadtkasse wird diese Neu-Interpretation vom „weißen Gewerbe“ jedenfalls willkommen sein – ob Rochel zwischen den aktuellen hochrangigen Kur-Klinik-Betreibern vielleicht sogar die Nachfolge des „Wasserdoktors“ Georg Pingler antreten kann (die Heimatgeschichte könnte nach kalten Güssen immerhin um den „Fruchtwasser-Doktor“ erweitert werden) wird die Zukunft zeigen.

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